Impfquoten bei Kindern & Jugendlichen: Luft nach oben?

Impfquoten bei Kindern & Jugendlichen: Luft nach oben?

Das Robert Koch-Institut (RKI) publiziert regelmäßig die Impfquoten zu den empfohlenen Impfungen im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter.1 Welche aktuellen Entwicklungen es gibt und wo noch Nachholbedarf ist, lesen Sie hier.

Ein Mädchen bekommt eine Impfung in den Oberarm.

Trotz gutem Niveau: Abzüge in der B-Note

Grundsätzlich sind die Impfquoten bei Kindern und Jugendlichen auf einem hohen Niveau. Trotzdem gibt es Abzüge in der B-Note: Impfserien werden häufig erst später als empfohlen begonnen oder nicht vollendet. Damit sind viele Kinder nicht vollständig gegen impfpräventable Krankheiten geschützt.1

Wussten Sie schon

In die aktuelle Auswertung der Impfquoten bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland flossen Abrechnungsdaten bis zum 1. Abrechnungsquartal 2024 der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) ein. Neben den KV-Abrechnungsdaten fließen in der Regel zusätzlich auch die Daten der Schuleingangsuntersuchungen (SEU) mit in die Impfquoten ein. Allerdings fanden diese in den Jahren 2021/2022 aufgrund der COVID-19-Pandemie jedoch nicht flächendeckend statt. Die aktuellen Impfquoten beruhen daher ausschließlich auf Daten der KV-Impfsurveillance.1

Die Impfquote für eine vollständige HPV-Impfserie bei 15-jährigen Mädchen betrug im Jahr 2023 bundesweit 55 %. Die HPV-Impfung für Mädchen wird seit 2007 empfohlen. Seitdem ist die Impfquote für die vollständige Impfung im Alter von 15 Jahren kontinuierlich gestiegen, bis sie im Jahr 2021 ein Plateau erreichte und 2023 55 % betrug.1

Die STIKO-Empfehlung zur Impfung gegen HPV für Jungen gilt seit August 2018. Zuletzt war mit 34 % nur knapp jeder dritte 15-jährige Junge vollständig gegen HPV geimpft. Auch hier ist eine Verlangsamung des Impfquotenanstiegs seit 2020 bemerkbar.1

Insgesamt ist hier also noch Luft nach oben: Wie die aktuellen Zahlen verdeutlichen, startet ein Großteil der Jugendlichen ohne einen möglichen Schutz vor bestimmten HPV-assoziierten Krebserkrankungen ins Erwachsenenleben.1

Dabei wird davon ausgegangen, dass HPV-Infektionen zu den häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen gehören. Die meisten sexuell aktiven Menschen infizieren sich mind. 1 x im Leben mit HPV – oft bald nach Aufnahme der sexuellen Aktivität. Die Schutzimpfung gilt als die effektivste prophylaktische Maßnahme gegen HPV-Infektionen.2

Bei Kindern in sehr jungem Alter lagen die Impfquoten für die 1. Impfdosis der Standardimpfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Pertussis (Keuchhusten), Poliomyelitis (Kinderlähmung, kurz Polio), H. influenzae Typ b (Hib) und Hepatitis B (HepB) im Alter von 15 Monaten auf einem konstant hohen Niveau von 96 – 97 % (Geburtsjahrgang 2008 – 2021). Der Abschluss der Impfserien (vollständige Impfserie) zur Grundimmunisierung gegen Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Polio und Hib erfolgte bei nur 77 % aller Kinder bis am Ende des 2. Lebensjahres. Bei der Impfung gegen HepB waren es 75 %.1

Somit fehlten bei 23 % aller Kinder im Alter von 24 Monaten die 3. Impfstoffdosis gegen die in der 6-fach-Impfung enthaltenen Komponenten. Diese Impfungen werden zwar oftmals bis zum Schulalter nachgeholt, doch im Alter von 2 Jahren ist somit knapp ein Fünftel aller Kinder unzureichend gegen potenziell lebensbedrohliche Krankheiten geschützt.1

Laut KV-Impfsurveillance waren 74 % der Kinder bis 24 Monate (Geburtsjahrgang 2021) vollständig gegen Pneumokokken geimpft. Trotzdem war rund ein Viertel der 2-Jährigen nicht vollständig gegen Pneumokokken geimpft.1

Für die 1. Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) bei Kleinkindern im Alter von 15 Monaten lag die bundesweite Impfquote auf KV-Ebene im Jahr 2021 auf einem vorläufigen Höchstwert von 89 %, was sich möglicherweise durch das Inkrafttreten des Masernschutzgesetzes erklären lässt. Im Jahr 2023 sank die Impfquote für die 1. MMR-Impfung jedoch auf 87 %. Bei der 2. MMR-Impfung zeigte sich ein ähnlicher Trend: Nach einem Anstieg der Impfquote im Zeitraum 2010 – 2021, nahm sie zuletzt ab und betrug 2023 bei Kindern im Alter von 24 Monaten bei 77 % und somit deutlich unter der Quote der 1. MMR-Impfung.1

Häufig wird die 2. Masernimpfung bis zum Schulalter nachgeholt. Dies bedeutet jedoch im Umkehrschluss, dass ein Teil der Kinder erst nach dem empfohlenen Impfzeitpunkt geimpft wird.1 Gemäß STIKO sollte die 2. Impfung der Masern-Grundimmunisierung im Alter von 15 Monaten erfolgen und kann bis zu einem Alter von 17 Jahren nachgeholt werden.3

Die Impfungen gegen Windpocken (Varizellen), Masern, Mumps und Röteln werden für die gleichen Altersgruppen empfohlen. Für die 2. Impfdosis kann laut STIKO ein MMRV-Kombinationsimpfstoff verwendet werden.3 Trotzdem wurde die Varizellen-Impfung etwas weniger in Anspruch genommen als die MMR-Impfung.1

Für die 1. Windpocken-Impfung bei 15 Monate alten Kleinkindern (Geburtsjahrgang 2021) lag die Impfquote bundesweit bei 81 %. Die Impfquote für die 2. Windpocken-Impfung lag nach Daten der KV-Impfsurveillance bis zum 1. Abrechnungsquartal 2024 bei Kindern im Alter von 24 Monaten bei 73 %.1 Zwar ist laut STIKO-Impfkalender das Nachholen der 2. Impfstoffdosis bis zum Alter von 17 Jahren möglich, generell sollten Impfungen aber zum frühestmöglichen Zeitpunkt erfolgen.3

Für einige Impfungen waren starke regionale Unterschiede zu beobachten. Das kann problematisch sein: Niedrige Impfquoten können auch gravierende Folgen für die gesamte Bevölkerung haben. So sind z. B. viele Kinder unzureichend gegen Polio oder Keuchhusten geimpft, während in Abwasserproben jüngst genetisches Material von Schluckimpfung-abgeleiteten Polioviren nachgewiesen wurden und die Keuchhusten-Fallzahlen 2024 gestiegen sind. Daher ist es weiterhin relevant Impflücken zu schließen und begonnene Impfserien möglichst schnell abzuschließen.1

Unser Fazit für Sie:

Für die meisten der etablierten Impfungen bei Kindern und Jugendlichen sind die Impfquoten laut KV-Impfsurveillance insgesamt auf einem guten Niveau. Allerdings wurden Impfserien häufig erst später als empfohlen begonnen oder nicht vervollständigt. Bei vielen Impfungen wurden große regionale Unterschiede beobachtet. Impflücken bergen nicht nur das Risiko gravierender Folgen für die einzelnen Menschen, sondern können auch Folgen für die gesamte Bevölkerung haben.1

Quellen

  1. Robert Koch-Institut (RKI). Impfquoten in Deutschland – Ergebnisse aus dem RKI-Impfquotenmonitoring. Epid Bull 2024;50:3-16.
  2. Robert Koch-Institut (RKI). RKI-Ratgeber Humane Papillomviren. Stand: 28.06.2018. Abrufbar unter: https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_HPV.html?nn=16906560 (eingesehen am 30.01.2025).
  3. Robert Koch-Institut (RKI). Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut 2025. Epid Bull 2025;4:1-75.

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